Philosophie der Klangwiedergabe bei KEF

 

Um Ihnen einen Eindruck von der Philosophie der Klangwiedergabe bei KEF zu vermitteln, können wir eigentlich nur die Worte von Raymond Cooke, dem Firmengründer, wiederholen:

‘Von allen Künsten ist die Musik die am wenigsten fassbare und die dabei ausdrucksstärkste, die am wenigsten körperliche und dabei die direkteste, die flüchtigste und die dabei unzerstörbarste Kunst. Ihr Geist lebt weiter in einem Tanz von Elektronen auf einem Drahtseil. Wenn bei KEF die Musik an ihren angestammten Ort zurückgeführt wird, nämlich auf die Ohren und den Geist, so ist KEF bestrebt, das so natürlich wie möglich zu tun …ohne jegliche Dramatik, Übertreibung oder Tricks.'

Wie kann eine solche Philosophie praktisch umgesetzt werden, und welche Aspekte des Lautsprecherdesigns sind dabei wichtig?

Die kritischsten Elemente eines Lautsprechers sind die Treibereinheiten, die die elektrischen Signale in Töne umwandeln. Es handelt sich dabei um sehr komplexe Gebilde, die ein kontrolliertes mechanisches Verhalten über einen breiten Frequenzbereich aufweisen müssen. Es gibt eine Vielzahl zu steuernder potentieller Verzerrungsquellen; außerdem muss der ausgestrahlte Klang seine Integrität über einen Winkel von mindestens 120 Grad beibehalten, so dass der gesamte Hörraum einbezogen wird und Reflexionen von Raumgrenzen keine unerwünschten Färbungen hervorrufen.

Es ist äußerst schwierig - manche würden sogar sagen, unmöglich - einen einzigen Treiber zu produzieren, der den gesamten Hörbereich abdeckt und dabei die Leistung bringt, die man von einer erstklassigen Audioanlage erwartet. Daher sind die einfachsten Hi-Fi-Lautsprecher als Zweiwegesysteme mit eigenen Bass- und Hochtontreibern konfiguriert. Das Minimumformat für eine Anlage mit umfassender Bandbreite ist ein Dreiwegesystem mit Bass, Mitteltöner und Hochtöner. Treiber in einem Mehrwegesystem müssen über ein internes Übergangsnetzwerk akustisch integriert werden, damit sie idealerweise wie ein einziger Vollbereichstreiber klingen.

Bass und Mitteltöner erfordern zum korrekten Betrieb ein spezifisches Luftvolumen hinter der Membran, wofür ein Gehäuse notwendig wird. Ferner ist auch die Form des Gehäuses, in das die Lautsprecher eingelassen werden, wichtig, damit eine problemlose Response und Steuerung der Klangbreite in Richtung Hörraum sichergestellt wird. Die Kombination aus Treibern/ Übergangsnetzwerk/Gehäusedesign nennen wir das Komplettsystemdesign (Total System Design), das bei einem Hochleistungslautsprecher als wichtigstes Kriterium gilt.

Für Raymond Cooke bestand der Ansatz für die Produktion besserer Lautsprecher im Einsatz modernster und strengster Technik in allen wesentlichen Konstruktionsbereichen. Oberste Priorität war zunächst die Entwicklung neuer Treiber mit besserer Leistung, für die er die neuartigsten Kunststoffe wie Melinex, Polystyrol, Bextren und Neopren verwendete. Als nächste Priorität folgte das Systemdesign – wie konnte man solche Treiber mit ihrem Gehäuse und dem Übergangsnetzwerk kombinieren, um Lautsprecher zu produzieren, die die Gesamtleistung auf ein zuvor nie gekanntes Level hoben?

Die neuen Treiber wurden in das erste Produkt von KEF eingebaut, dem Dreiwege-K1-Slimline, der zusammen mit seinem großen Bruder, dem K1-Monitor, bewies, dass es diesem neuen Unternehmen wirklich um Innovation ging. Bald danach wurde der legendäre B139 mit seiner Membran aus dünner Aluminiumfolie auf Polystyrol auf den Markt gebracht; bis zum Jahre 1970 verfügte KEF über eine Produktpalette von Treibern, die nicht nur in KEF-Anlagen, sondern auch in Anlagen einer Vielzahl anderer Hersteller in der ganzen Welt Verwendung fanden. Dass sie so zahlreich eingesetzt wurden, spricht für die Qualität und Verlässlichkeit dieser Geräte; sie trugen in dieser frühen Zeit wesentlich zum guten Ruf und zur Markenwahrnehmung von KEF bei. Enge Verbindungen zur Forschungsabteilung der BBC wurden besonders für den Bereich neuer Werkstoffe aufgebaut; die Exklusivherstellung des Monitors BBC LS5/1A durch KEF sollte das Unternehmen viel über die Einhaltung enger Toleranzen lehren.