LS3/5a und die BBC

Raymond Cooke, der 1961 KEF gründete, hatte enge Verbindungen zur BBC, die noch aus seiner Zeit als Techniker in der Abteilung Engineer Designs der BBC in den frühen 1950ern stammten. Dort arbeitete er mit bekannten Toningenieuren wie Dudley Harwood und D.E.L. Shorter zusammen. In den frühen 1960ern knüpfte er an diese Beziehungen an. Zu diesem Zeitpunkt schlossen KEF und die BBC eine Vereinbarung, die besagte, dass KEF unter Lizenzierung der BBC den von der BBC entwickelten LS5/1A-Monitor produzieren sollten. Die Produktion wurde bis in die Mitte der 70er Jahre fortgesetzt. Während dieser Zeit wurden auch der LS5/2, der LS3/4 und der Drei-Wege-LS5/5 gefertigt, für die KEF auch die 12-Zoll-Bass- und 8-Zoll-Mitteltöner herstellte. Der präzise Ansatz von KEF bei der Produktion war ideal für die Herstellung dieser Monitore mit geringer Toleranz.

Der Hauptaspekt der Zusammenarbeit zwischen KEF und der BBC-Forschungsabteilung in Kingwood Warren war die Suche nach neuen Materialien für Lautsprechermembrane und Surroundsysteme. KEF verwendete in den Basstreibern B1814 und B139 ein Laminat aus Styropor und Aluminiumfolie und entschied sich für die Membran des T15-Hochtöners für Melinex. Mitte der 1960er begann die BBC Versuche mit Kunststoffen, woraus sich der Drei-Wege-Konus LS5/5 aus Bextren entwickelte.

1967 stellte KEF den T27 (A6340) vor, ein 19-mm-Kalotten-Hochtöner mit einer Melinex-Membran, sowie den B110 (A6362), eine 110-mm-Bass-/Mitteltönereinheit und der erste kommerziell verfügbare Bextren-Treibereinheitkonus. Diese beiden Einheiten wurden unmittelbar in das Cresta-Regalsystem integriert, die im gleichen Jahr veröffentlicht wurde, und in das Drei-Wege-Concerto-System aus dem Jahr 1969. Wie damals üblich wurden diese Einheiten der BBC vorgestellt und ein paar Modelle zu Testzwecken eingereicht.

1968 begann die BBC mit der Studie von akustischen Skalierungsmodellen für das Design von neuen Tonstudios [1]. Für diese Zwecke benötigten sie eine kleine Klangquelle, die gezielt und kontrolliert akustische Abstrahlungen von bis zu 100 kHz produzieren konnte. Das erste dieser Systeme war ein Zwei-Wege-System.

Der Basstonbereich mit bis zu 15 kHz umfasste zwei von der BBC erstellte 110-mm-Bextren-Konusse, die in einem Winkel von 60 Grad zueinander montiert wurden, um die erforderliche breite Ausstrahlung zu erzielen. Um die erforderliche Bandbreite von 15 kHz umzusetzen (der KEF B110 ist nur bis zu 5 kHz einsetzbar), wurden stark aufgeweitete Konusse verwendet. Um zugleich die Wellenbildung in der Konusspitze zu reduzieren, wurde eine zusätzliche PVC-Membran in der Nähe der Staubkappenposition angebracht. Der Frequenzbereich über 15 kHz wurde durch mehrere kleine elektrostatische Signalumwandler, die in einer Halbkugel angeordnet wurden, reproduziert.

Dieses System erbrachte jedoch nicht die gewünschte Leistung, sodass es in eine 3-Wege-Ausführung weiterentwickelt wurde [2]. In diesem System wurde nur einer der 110-mm-Basstreiber nach vorne gerichtet montiert, der bei 3 kHz in einen KEF T27-Hochtöner überging, der bis zu der 15-kHz-Frequenzweiche für die Hochfrequenzanordnung arbeitete.

Dieses überarbeitet System erbrachte eine wesentlich bessere Leistung. Die Sound-Qualität bei der Reproduktion von normalem Programmmaterial lies darauf rückschließen, dass dies die Grundlage für kleine Monitorlautsprecher bilden könnte, wenn nur wenig Platz vorhanden ist, z. B. in Umgebungen außerhalb von Rundfunkstudios. 1970 wurde daraus schließlich der LS3/5 mit 9 Ohm und 5-Liter-Volumen entwickelt unter Verwendung des ursprünglichen KEF B110 (A6362), des KEF T27 (A6340) und des Übergangfilters FL6/16 [3]. Bei der Umsetzung dieses Systems wurde das Treiberlayout umgekehrt, sodass der Hochtöner sich nun unter dem Basstreiber befand. Ein paar Systeme dieser Art wurden intern von der BBC gefertigt und zu Testzwecken ausgeliefert. Der Erfolg dieser Testexemplare führte schließlich dazu, dass zusätzliche Systeme hergestellt wurden.

Bei der Entwicklung des neuen Modells LS3/5s stellt man fest, dass die ursprünglichen Einheiten B110 (A6362) und T27 (A6340) nicht mehr verfügbar waren. Zudem wiesen die neueren Einheiten B110 (SP1003) und T27 (SP1032), die zu dieser Zeit im KEF Coda verwendet wurden, leicht veränderte akustischen Merkmale auf, die sich aus Produktionsverbesserungen ergaben. Daher musste die BBC das System basierend auf diesen neuen Einheiten weiterentwickeln. Die Überarbeitung des LS3/5 wurde im Lauf des Frühsommers 1974 vorgenommen. Das Ergebnis war der LS3/5A [4,5].

Das LS3/5A-System verfügt über Treiber mit normaler Ausrichtung, wobei sich der Hochtöner über dem Woofer befindet. Es ist zudem mit Filz an den Kanten der Schallwand zur Beugungsreduzierung sowie eine zusätzliche perforierte Metallabdeckung für den Hochtöner ausgestattet, die nicht nur Schutz bietet, sondern auch das Klangbild unterstützt. Besonders berücksichtigt wurde die Art und Weise, wie der neue Basstreiber an das Gehäuse gekuppelt wurde, um sicherzustellen, dass der geringe Verfärbungseffekt des LS3/5-Gehäuse aufrechterhalten wurde. Aufgrund der neuen 8-Ohm-Treiber und der überarbeiteten Frequenzweiche FL6/23 verbesserte sich die Eingangsnennimpedanz des System von 9 auf 15 Ohm.

Das System wurde intern von der BBC hergestellt und die Lizenzen wurden Unternehmen angeboten, die daraus Lautsprecher herstellen sollten. Eines der bekanntesten Unternehmen, die dieses System übernahmen, war Rogers Developments (später Swisstone), die mit der Produktion im Jahr 1975 begannen. 1987 wurden das erste und einzige Mal Änderungen am LS3/5A-Sytem vorgenommen [6], um andauernde Probleme hinsichtlich der akustischen Konsistenz des B110 SP1003 zu beheben. Dabei wurde diese Einheit durch die speziell entwickelte SP1228-Version und die aktualisierte Frequenzweiche FL6/38 ausgetauscht. Aufgrund dieser Änderungen kam es zu einer niedrigeren Eingangsimpedanz von 11 Ohm. Die Überarbeitung des Treibers und der Frequenzweiche wurde von der Special Products Division bei KEF übernommen, um sicherzustellen, dass diese Ausführung akustisch identische Leistungen wie das Original erbrachte (im Bereich normaler Toleranz), sodass die alte und neue Version problemlos austauschbar waren. Zu diesem Zeitpunkt begann KEF auch mit der Produktion der Frequenzweichen (SP2128) und der Treibereinheiten, die sie in Paaren fertigten, um eine maximale Konsistenz zu erzielen. 1991 stand zum ersten Mal eine Bi-Wire-Frequenzweiche (SP2195) zur Verfügung.

Rogers stellte von 1975 bis 1993 mehr als 80.000 Systeme her. Ab 1982 fertigte auch Spendor zahlreiche Systeme und 1988 folgte schließlich Harbeth. Zu den anderen Lizenznehmern gehören Chartwell, Goodmands, Audiomaster (K.J. Leisuresound), RAM, Decca und seit neuestem Richard Allan und Stirling Broadcast. KEF erwarb 1994 eine Lizenz und stellte seitdem etwa 4000 Systeme her. Die Gesamtzahl produzierter LS3/5As (Einzelsystem, keine Paare) beträgt mehr als 100.000 [7], wobei der Großteil dieser System von Rogers, Spendor und Harbeth gefertigt wurden.

1981 stellte KEF den CS1A der Constructor-Serie vor. Dieses Kit umfasste die B110 (SP1003)- und T27 (SP1032)-Treiber sowie eine Frequenzweiche, die von der Leistung her dem LS3/5A entsprach, jedoch eine einfachere Form als FL6/23 hatte.

KEF stellte zwar mehrere Zwei-Wege-Lautsprecher mit der Kombination aus B110 und T27 her: Cresta (1967), KEFKIT4 (1969), Cresta II (1970), Coda (1971), CS1/CS1A (1981). Aber erst 1979 gelang es KEF einen möglichen Konkurrenten für LS3/5A zu produzieren: Reference 101. In diesem System wurde T27 (SP1032) mit B110B (SP1057) verwendet, es bot ein 6,7-Liter-Gehäuse mit einer Frequenzweiche, die ähnlich komplex wie die des LS3/5A ist. Zudem wurde ein S-Stop-Schutzschaltkreis in das System integriert. Reference 101 profitierte von der ausgereiften Mess- und Analyseinfrastruktur, die KEF während der 1970er entwickelt hatte.

 

Referenzen
[1] BBC Research Department Report No. 1970/13.
[2] BBC Research Department Report No. 1972/34.
[3] BBC Engineering Design Information note 10055(1), 1970.
[4] BBC Engineering Design Information note 10055(2), 1970.
[5] BBC Research Department Report No. 1976/29.
[6] BBC Engineering Design Information note 10055(3), 1970.
[7] Diese Zahlen wurden von Raymond Cooke errechnet und in einem KEF-internen Dokument von 1993 veröffentlicht.

Zeitschriftenartikel und andere Quellen zum LS3/5A
(i) A little Legend: The BBC LS3/5A. Trevor Butler, Hifi News & Record Review (January 1989).
(ii) The Beebs Famous Boxes. Graham Whitehead and David Walker, HiFi News and Record Review (November 1991).
(iii) The BBC LS3/5A – Revisiting a Classic. HiFi Critic May/June 2007.
(iv) http://www.ls35a.com - The unofficial LS3/5a supporters club.
(v) http://www.stereophile.com - Zeitschrift für Stereophile mit einem Online-Archiv mit mehreren Artikeln zu LS3/5As von verschiedenen Herstellern.